SUVs sind längst überall – trotzdem hält Audi am A6 Allroad fest. Die Idee dahinter: die Alltagstauglichkeit eines Kombis mit mehr Bodenfreiheit, Allradantrieb und einer Portion Geländetauglichkeit verbinden. Der neue A6 Allroad e-hybrid ergänzt dieses Konzept um einen Plug-in-Hybridantrieb.

Mit knapp fünf Metern Länge und einer Karosserie, die deutlich kräftiger auftritt als der A6 Avant, macht der Allroad schnell klar, dass er mehr sein will als ein Kombi mit Kunststoffverkleidungen. Ob sich das eigenständige Konzept im Alltag bewährt, hängt vor allem an Fahrwerk, Antrieb und dem Platzangebot.
Ein Allroad statt eines weiteren SUV
Als der erste Audi Allroad um die Jahrtausendwende erschien, war die SUV-Welle noch nicht auf ihrem heutigen Höhepunkt. Audi setzte damals auf einen höhergelegten A6 Avant mit permanentem Allradantrieb und Luftfederung. Die erste Generation konnte sogar mit einer Geländeuntersetzung bestellt werden.

Heute hat Audi eine breite SUV-Palette. Der Allroad wirkt daneben wie ein Modell für Käufer, die bewusst einen Kombi bevorzugen. Auch die Verantwortlichen bei Audi beschreiben ihn als Auto für Individualisten: Er soll nicht einfach ein SUV ersetzen, sondern eine andere Kombination aus Komfort, Platz und Robustheit bieten.
Breite Spur, große Räder
Der A6 Allroad misst 5.016 Millimeter in der Länge und knapp 1,99 Meter in der Breite. Gegenüber dem A6 Avant ist er rund elf Zentimeter breiter. Auch die Spur fällt deutlich größer aus: vorne um 7,4 Zentimeter, hinten um sieben Zentimeter.
Beim Testwagen standen 21-Zoll-Räder mit Reifen im Format 285/35 in den Radhäusern. Serienmäßig rollt der Allroad auf 19-Zoll-Rädern mit 265/45er-Reifen. Verkleidungen an der Karosserie und ein angedeuteter Unterfahrschutz geben dem Kombi einen robusteren Auftritt, ohne seine Grundform zu kaschieren.

Luftfederung mit eigenem Charakter
Ein zentraler Unterschied zum normalen Avant steckt unter dem Blech. Der Allroad fährt mit Luftfederung und eigens abgestimmten adaptiven Dämpfern. Im Comfort-Modus reagiert das Fahrwerk spürbar sanfter. Audi beschreibt das Fahrgefühl als schwebend – passend zu einem Modell, das vor allem auf entspanntes Reisen ausgelegt ist.
Die Karosserie lässt sich insgesamt um 5,5 Zentimeter in der Höhe verstellen. Das sind 2,5 Zentimeter mehr als beim A6 Avant. Im Balanced-Modus beträgt die Bodenfreiheit 15,6 Zentimeter. Wird die Liftfunktion aktiviert, sind es bis zu 19,1 Zentimeter. Sie lässt sich bis zu einer Geschwindigkeit von 35 km/h nutzen. Im Dynamic-Modus und bei mehr als 120 km/h senkt sich die Karosserie dagegen um zwei Zentimeter ab.

Damit deckt das Fahrwerk unterschiedliche Situationen ab: mehr Bewegungsfreiheit auf schlechten Wegen und eine niedrigere Fahrzeughöhe bei schneller Fahrt.
Elektronik hilft auf losem Untergrund
Der Allroad beschränkt sich nicht auf eine höhere Karosserie und einen robusteren Auftritt. Im Geländemodus passt Audi auch die Regelung von Antrieb und Getriebe an. Auf Schotter, Sand oder Schnee lässt die Antriebsschlupfregelung mehr Schlupf zu. Die Räder dürfen also etwas stärker durchdrehen, um auf losem Untergrund noch Vortrieb aufzubauen.
Zusätzlich bremst die elektronische Differentialsperre ein durchdrehendes Rad gezielt ab. So kann mehr Antriebskraft zu den Rädern gelangen, die besseren Halt haben. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet im Geländemodus später hoch und hält die Gänge länger. Das soll bei niedrigen Geschwindigkeiten für einen gleichmäßigeren Kraftfluss sorgen.
Der Allroad ist damit kein Geländewagen für schwierige Offroad-Passagen. Seine Technik soll vielmehr helfen, wenn der Asphalt endet oder der Untergrund rutschig und uneben wird.

367 PS Systemleistung, aber mit ruhigem Charakter
Der Plug-in-Hybrid kombiniert einen Zweiliter-Turbobenziner mit einer Elektromaschine, die in das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe integriert ist. Der TFSI leistet 252 PS, der Elektromotor steuert bis zu 143 PS bei. Zusammen ergibt das eine Systemleistung von 367 PS und ein maximales Drehmoment von 500 Newtonmetern.
Aus dem Stand erreicht der A6 Allroad e-hybrid in 5,5 Sekunden Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Rein elektrisch sind bis zu 140 km/h möglich. Der Elektromotor spricht beim Anfahren direkt an, während sich der Benziner weitgehend unauffällig zuschaltet. Der Antrieb passt so zum komfortorientierten Charakter des Autos. Trotz der Leistung wirkt der Allroad im Test allerdings weniger temperamentvoll, als die Zahlen zunächst erwarten lassen.
Der quattro-ultra-Antrieb schaltet die Hinterachse bei Bedarf zu. Im normalen Fahrbetrieb arbeitet das System unauffällig. Im Innenraum bleibt es angenehm leise – ein Pluspunkt auf längeren Strecken.
Elektrische Reichweite und Verbrauch im Alltag
Die Batterie hat eine Bruttokapazität von 25,9 kWh, davon sind 22,0 kWh nutzbar. Audi nennt eine elektrische Reichweite von bis zu 102 Kilometern. Geladen wird mit bis zu 11 kW Wechselstrom. Eine vollständige Ladung von null auf 100 Prozent dauert laut Hersteller zwei Stunden und 45 Minuten.
Bei einer entspannten Testfahrt zeigte der Bordcomputer einen Benzinverbrauch von 6,1 Litern und einen Stromverbrauch von 5,1 kWh je 100 Kilometer an. Die offiziellen Normwerte liegen bei 2,8 Litern und 17,0 kWh je 100 Kilometer. Wie bei Plug-in-Hybriden üblich, hängt der tatsächliche Verbrauch stark davon ab, wie regelmäßig geladen wird und wie viele Strecken elektrisch gefahren werden.
Vertrauter Innenraum, weniger Kofferraum
Im Cockpit unterscheidet sich der Allroad kaum vom übrigen A6. Vor dem Fahrer sitzt ein 11,9 Zoll großes Instrumentendisplay, der zentrale Touchscreen misst 14,5 Zoll. Ein zusätzlicher 10,9-Zoll-Bildschirm für den Beifahrer ist optional erhältlich.

Nicht alles wirkt im Innenraum so hochwertig, wie es der Preis erwarten lässt. Kratzempfindlicher Hochglanzkunststoff und Hartplastik unterhalb des direkten Blickfelds bleiben Schwachstellen.
Auch das Kofferraumvolumen fällt für einen großen Kombi eher knapp aus. Wegen der Batterie bietet der A6 Allroad e-hybrid zwischen 404 und 1.423 Liter Ladevolumen. Wer den maximalen Stauraum sucht, sollte diesen Kompromiss bei der Wahl des Plug-in-Hybridantriebs berücksichtigen.

Preislich auf Augenhöhe mit dem Mercedes
Der Audi A6 Allroad e-hybrid quattro kostet ab 80.250 Euro. Ein vergleichbarer Mercedes E 300 de 4MATIC All-Terrain startet bei 81.277 Euro. Der Mercedes kombiniert einen Dieselmotor mit einem Elektromotor, leistet 313 PS und bietet ebenfalls Allradantrieb.
Der Audi richtet sich an Käufer, die einen komfortablen, kräftigen Kombi mit höherer Bodenfreiheit und elektrischer Kurzstreckenreichweite suchen. Seine Stärken sind das anpassbare Luftfahrwerk und der leise Hybridantrieb. Dem stehen ein hoher Einstiegspreis und ein durch die Batterie eingeschränkter Kofferraum gegenüber.
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Quelle: Audi

